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Vierte Revitalisierungsmaßnahme an der Lehrde umgesetzt

Im Rahmen des Barben-Projektes der Aktion Fischotterschutz wurde viel an der Lehrde erreicht.

Bild 1 und 2: Wo vorher ein altes instabiles Wehr die Durchgängigkeit für die Wasser- lebewesen verhinderte, fließt die Lehrde heute wieder ungehindert (© Aktion Fisch- otterschutz e.V.).

Bild 3: Zusammen mit Anliegern, Bewirt- schaftern, Behördenvertretern und der "Pachtgemeinschaft Mittlere Lehrde" wurde die Maßnahme besichtigt (© Aktion Fischotterschutz e.V.).

Bild 4: Mit den Eintrag von Kies und Tot- holz fließt die Lehrde in diesem Abschnitt wieder vielfältig und bietet vielen Wasser- lebewesen einen Lebensraum (© Aktion Fischotterschutz e.V.).

Insgesamt wurden in den letzten drei Jahren 3.500 m an der Lehrde re­vi­ta­li­siert. Im Herbst wurde die vierte und letzte Maßnahme im Rahmen des Pro­jek­tes umgesetzt.  Eine 600 m lange Fließgewässerstrecke im Bereich Leh­rin­gen/Nordkampen wurde ökologisch aufgewertet. Eine große Heraus­for­de­rung stellten hierbei die beginnenden Regenfälle im Herbst dar. Fi­nan­ziert wurde die Maßnahme über das Barben-Projekt, mit Mitteln vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Niedersachsen und der Aktion Fisch­otterschutz e.V. Zusätzliche Mittel kamen vom Landkreis Verden.

Die Lehrde wurde flussabwärts der Kreisstraße einst begradigt und mit ei­nem naturfernen Trapezprofil ausgebaut, hieraus resultieren heute Pro­ble­me: Da die natürliche Kiesschicht in der Sohle des eigentlich kiesgeprägten Gewässers fehlt, hat sich die Lehrde immer stärker eingegraben und die Ufer wurden instabil. Durch ein altes instabiles Wehr, das auch die ökologische Durchgängigkeit für die Wasserlebewesen behindert, sind die Ufer fluss­ab­wärts abgebrochen und der Abschnitt hat sich verbreitert. Heute dominieren in der Gewässersohle mobiler Sand und Sedimente, die nur für wenige Arten einen Lebensraum bieten.  

Mit einer Revitalisierungsmaßnahme sollte in einem 600 m langen Gewäs­ser­abschnitt eine ökologische Aufwertung erfolgen. Zuerst wurde die mobile Sedimentschicht entnommen und durch über 800 Tonnen Kies in der Sohle ersetzt. Damit ist die Lehrde zum einen vor weiterer Tiefenerosion ge­schützt, und zum anderen bieten die Kiesbetten wichtige Laichhabitate für kiesliebende Fischarten, wie z.B. Bachforellen und Elritze sowie Le­bens­räu­me für viele Kleinstlebewesen. Das alte, instabile Wehr wurde ent­nom­men und der Absturz mit Kies ausgeglichen. Nun können die Wasserbewohner in diesem Bereich wieder ungehindert flussaufwärts schwimmen. Damit die Ufer nicht weiter abbrechen, wurden 10 Bäume und 6 Wur­zel­stub­ben ent­lang der Ufer gelegt und befestigt. Das Totholz ist nicht nur ein guter Ufer­schutz, bietet wichtige Unterstände und Lebensräume für die Was­ser­le­be­we­sen, sondern sorgt außerdem für eine natürliche Strömungsvielfalt im Gewässer. Die Bäume und Wurzeln haben die Anlieger kostenfrei zur Ver­fü­gung gestellt.  Mit dem Einbau von Kies und Totholz wurde die Lehrde par­ti­ell eingeengt und dadurch die Fließgeschwindigkeit erhöht. Dies ist von großer Bedeutung, damit das Ablagern von Sedimenten auf den Kies re­du­ziert wird, und die Lebensräume im Kies erhalten bleiben.

Trotz der sehr schlechten Wetterverhältnisse konnte die Maßnahmen er­folg­reich beendet werden. Da die Witterung auch im Frühjahr sehr nass war, müssen die Flächen abschließend neu eingesät werden. Bei einer ab­schlie­ßen­den Besichtigung mit Flächeneigentümern, Bewirtschaftern, Behörden, der Pachtgemeinschaft Mittlere Lehrde und der Presse wurde die Maß­nah­men noch einmal besichtigt.

„Für diese Maßnahme an der Lehrde gilt ein herzliches Dankeschön den Bewirtschaftern und Flächeneigentümern. Dass die Maßnahme trotz des schlechten Wetters umgesetzt werden konnte, ist keine Selbst­ver­ständ­lich­keit und ich freue mich sehr, dass es geklappt hat!  Nun ist in einem weiteren Abschnitt die Struktur- und Lebensraumvielfalt in der Lehrde erhöht, davon können viele Lebewesen profitieren“, so Anke Willharms von der Aktion Fischotterschutz.


Das Projekt „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Bar­be“ ist ein Naturschutzprojekt der Aktion Fischotterschutz e.V.

Ziel des Projektes ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart "Barbe" im Einzugs­ge­biet der "Aller" zu ent­wi­ckeln und die biologische Vielfalt insgesamt in und an den Gewässern zu fördern.

Die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet wird die Ver­wirklichung durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen die Menschen für die heimischen Fischarten und die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sen­si­bi­li­siert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Natur­schutz im Rahmen des Bundes­pro­gramms "Bio­lo­gi­sche Vielfalt" mit Mitteln des Bundes­um­welt­mi­nis­te­ri­ums und über das Land Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.